Banner
star1

Vom Planeten Venus zum Symbol 'Venus'

"Ferner übertrifft Venus durch ihre Größe die anderen Gestirne,
ist geradezu von so großer Helligkeit,
dass durch die Strahlen dieses einzigartigen Gestirns Schatten geworfen werden."
 (Plinius d. Ä. Buch II, Abschnitt VI §§ 36-37).
 
1. Rätsel um Venus und Astrophysik
 
Einer der hellsten Sterne am Nachthimmel ist der Planet Venus. Wir sehen ihn 292 Tage als Morgenstern und 292 Tage als Abendstern. Wenn wir die Daten der oberen Konjunktionen von Venus mit der Sonne auf einem Kreis abtragen und diese Punkte in der Reihenfolge ihrer Entstehung verbinden, so ergibt sich bei fünf Venus-Umläufen im Laufe von acht Erdenjahren ein Pentagramm. (Trägt man obere und untere Konjunktion ein, entsteht das Pentagramm bereits nach vier Jahren; diesen Venus-Zyklus feierte man in der Antike jeweils mit einer Olympiade.) Das Pentagramm kommt zustande wegen der fast kreisrunden Umlaufbahn der Venus um die Sonne, wobei die bestehenden 2° Abweichung dafür sorgen, dass sich ihr Pentagramm an einer Spitze in Wahrheit nie ganz schließt.
 
Ausgerechnet dieser strahlenden und so ebenmäßig laufenden Venus gelten weltweit in Mythen, Kulten, Ritualen eine erstaunliche Spanne gegensätzlicher Emotionen und Erregungen. Als Morgenstern wurden ihr im Altertum Menschenopfer dargebracht und ihr Pentagramm ist seit Jahrhunderten bis heute eines der meistverwendeten Schutz- und Abwehrzeichen.
Wie kam es dazu? Welche Bedrohung ging einst von ihr aus?
In den babylonischen Hymnen an Ischtar-Venus sagt die Göttin von sich selbst
 
"Die Herrschaft hat er (mein Vater) mir gegeben, die Herrinnenschaft hat er mir gegeben,
die Schlacht hat er mir gegeben...
Ich lasse regnen auf die Feindin(nen) einen Kampf wie einen Feuerstrahl...
Ich durchschreite immer wieder den Himmel, stürze die Erde um;
dann vernichte ich den Rest der Ortschaften...
Ich bin die kriegerischste der Götter, eines ehrfurchtgebietenden Glanzes bin ich voll."
(nach T. Solyman - Die Entstehung und Entwicklung der Götterwaffen im Alten Mesopotamien und ihre Bedeutung, Diss. Berlin 1964, S. 44,53)
 
Das Verdienst, die mit Venus verbundenen mythologischen und astro-physikalischen Phänomene und die ihr geltenden gegensätzlichen Affekte erstmals in einen Zusammenhang gebracht und eine Lösung geboten zu haben, gebührt Immanuel Velikovsky.

Er vertrat die Annahme, Venus sei im Zuge einer katastrophischen Umwälzung unseres Planetensystems aus Jupiter entstanden, sei also ein verhältnismäßig junger Planet und dementsprechend noch sehr heiß. Es sei dann zu wiederholten Nahbegegnungen zwischen Erde und Venus gekommen, bevor letztere im Zuge der Neuordnung des Planetensystems auf ihre heute Umlaufbahn gelangte. 

Dieses Szenario (Ausstoß aus Jupiter und Nahbegegnung) gilt im derzeit herrschenden astrophysikalischen Weltbild als ausgeschlossen. Velikovsky ging aber bereits Mitte des 20.Jh. von einem Universum aus, in dem elektrische Kräfte vorherrschend sind und darin wäre so etwas durchaus denkbar; doch der Gedanke eines elektromagnetischen Universums findet bis heute in der Astrophysik keine Akzeptanz. Entsprechend wurde und wird Velikovsky von vielen 'Fachleuten' als Außenseiter ignoriert oder verlacht, ungeachtet der Tatsache, dass sich seine astrophysikalischen Voraussagen großenteils bestätigt haben.

Bereits 1955 fand man die von ihm vorausgesagte Jupiter-Radiostrahlung und seit den 1960er Jahren lieferten die sowjetischen und amerikanischen Venussonden erste Daten von einer glühendheißen Venus mit einer dichten Atmosphäre aus Kohlenwasserstoffen. Die Wissenschaftler waren geschockt, denn eine solche Venus passte nicht - und passt bis heute nicht - ins astrophysikalische Weltbild. Deshalb erklärte 1974 der Astronom Carl Sagan die damals gemessene Venus-Temperatur von 500 Grad mit einem "Galopping Greenhouse Effect", der seitdem als "Treibhauseffekt" auch für irdische Phänomene herhalten muss. Die Treibhaus-These ist zwar umstritten, doch an Venus als 'Zwillingsplanet' der Erde wird festgehalten.

Unzweifelhaft gab es aber katastrophische Ereignisse im Planetensystem, die auf der Erde zu massiven ‚Fall out’ feuriger Kometenschweife und heftigen Naturkatastrophen führten. Velikovsky erkannte, dass Venus als einst feurig beschweifter herumirrender Himmelskörper daran wesentlich beteiligt war und zwar noch in jener historischen Zeit, die unsere Lehrbücher als 'Altertum' bezeichnen. 

Immanuel Velikovsky: Welten im Zusammenstoß;  Erde im Aufruhr
Christian Blöss: Venus-Report (Basel 1983); Planeten-Götter-Katastrophen (Frankfurt 1991)
Alfred de Grazia: Die Velikovsky-Affaire (München 1979)
Stanislav Grof: Wenn Wissenschaft zu Pseudowissenschaft wird. Carl Sagan und seine von Dämonen verfolgte Welt. in: Grof - Impossible. Wenn Unglaubliches passiert (München 2008, S. 379-389)
www.klimaskeptiker.info/treibhausvenus.html
Andreas Otte: Das elektrische Universum – Eine Übersicht; Teil I-III in Zeitensprünge 2/2008,478-498; 3/2008, 757-777; 1/2009,4-31
http://www.elektrisches-universum.de/

 

2. Venus - Von der Göttin zum Symbol  

Die Erfahrungen von Schrecken und Zerstörung durch Planetengötter verarbeiteten die Menschen in Kulten und Ritualen.
Diese veränderten sich, so erzählen die Mythen der Welt, als ein heroischer männlicher Gott (ein anderer Himmelskörper innerhalb des in Aufruhr geratenen Planetensystems - Velikovsky vermutete: Mars) die weibliche Gottheit besiegte, indem er ihren feurigen Drachen zerschlug. Übrig blieb der auf die Ekliptik gebannte, strahlend schöne Planet Venus auf seiner heutigen Umlaufbahn, welche als Pentagramm darstellbar ist. 

Wenn dieser Übergang von einem katastrophischen Himmel zur heutigen Himmelsordnung erst in der 'geschichtlichen Zeit' des Menschen passierte, müssen viele unserer Vorstellungen über die Entstehung und Entwicklung von Wissenschaft, Religion, Kultur und Wirtschaft grundlegend neu überdacht werden. Sie sind Reaktionen auf Veränderungen, bei denen Venus eine Schlüsselrolle hat. 

Eine neue Himmelsordnung war entstanden, der neue Götterbilder folgten. Die einst gefürchtete, kriegerische, den Himmel beherrschende  Venus wurde zur verehrten Allgöttin und Magna Mater als Matrix der Wandlung: Leben und Tod, Licht und Dunkel, Heil und Untergang, Segen und Schrecken, Krieg und Kulturblüte - alles kam aus ihrem Schoß.
Wo sich männliche Götter- und Erlöservorstellungen durchsetzten, blieb Venus als "Liebesgöttin", die Magna Mater als "Gottesgebärerin" erhalten.

Aus den Erfahrungen ging ein neues Welt- und Menschenbild und Symbolbildung hervor.
Die bestehende Symbolik transportiert jene gegensätzlichen Erregungen, die einst den Planetengottheiten, insbesondere der Venus, galten.

"Venus" wurde in allen Kulturen ein Symbol für das Spannungsfeld, in dem sich menschliches Bewusstsein bewegt.

Seitdem sorgt sich der Mensch um das Gedeihen der Kulturgüter und die Stabilität des Himmels. Während einst versucht wurde, die Himmels'götter' durch Opferrituale friedlich zu stimmen und durch magische Rituale in den Bann zu schlagen, wird nun die Berechenbarkeit des Himmels, seine Dauerhaftigkeit und Stabilität beschworen.
Wissenschafts- und Religions-Geschichte spiegeln den Konflikt des Menschen:  einerseits seine Abhängigkeit von einer größeren Kraft oder Macht anzuerkennen, andererseits der Versuch, diese zu durchschauen, zu kontrollieren und ihr zu entkommen.

Zugleich zeigen sie das Bedürfnis des Menschen,

  • sich unter einem neuen Himmel zu orientieren;
  • sich sicher zu fühlen, in dem Bewusstsein, dass nichts sicher ist,
  • und dies Wissen zu verdrängen - stets von der Angst getrieben, das Wichtigste im Leben zu verpassen.
 
Kontrollbedürfnis, Verdrängung und Angst führen bis heute dazu, dass nach starken rettenden Helden – nun aber irdischen, manchmal "außerirdischen" – gerufen wird, wenn die Lage brenzlig wird. 
 
Gleichzeitig entwickelten sich jedoch spirituelle Traditionen, die uns in die Lage versetzen, den Konflikt anders wahrzunehmen:
als die einzigartige Chance und Herausforderung, Mensch-Sein im besten Sinne zu verwirklichen, indem wir uns die Konflikte bewusst machen, die Angst überwinden und dem schöpferischen Lebensprinzip dienen.
 
Das Verständnis der Symbolik erhellt eine geistige Entwicklung, deren Gewissheit darin besteht, dass wir alle Teil einer großen Einheit sind, dass alle Wege nicht an die Spitze (und damit in eine Sackgasse) führen, sondern ins Zentrum
 
Diese Erkenntnis wird jedoch von den heutigen Religionen nicht umgesetzt in eine dem Leben dienende Zusammenarbeit, weil sie ihre wahre Entstehungsgeschichte verleugnet und verfälscht haben.
Eine heilvolle Zukunft wird es für die Religionen der Welt nur geben, wenn sie sich zurück besinnen auf ihre gemeinsamen Wurzeln und sämtliche Absolutheits- und Weltmachtansprüche so wie heilsgeschichtlichen Dogmen, ablegen.
 
Solange der Kampf außen stattfindet, kann der innere nicht gewonnen werden. Wer die äußere Welt beherrschen will, verliert den Drachenschatz und das Königreich.
 
Das Symbol 'Venus' weist damit letztlich den Weg zur Überwindung der existentiellen Angst des Einzelnen durch die Liebe, die alles verbindet - angesichts der kurzen Zeit zwischen Geburt und Tod, unter einem Himmel, der niemals sicher ist.