Vom Planeten Venus zum Symbol 'Venus'
Er vertrat die Annahme, Venus sei im Zuge einer katastrophischen Umwälzung unseres Planetensystems aus Jupiter entstanden, sei also ein verhältnismäßig junger Planet und dementsprechend noch sehr heiß. Es sei dann zu wiederholten Nahbegegnungen zwischen Erde und Venus gekommen, bevor letztere im Zuge der Neuordnung des Planetensystems auf ihre heute Umlaufbahn gelangte.
Dieses Szenario (Ausstoß aus Jupiter und Nahbegegnung) gilt im derzeit herrschenden astrophysikalischen Weltbild als ausgeschlossen. Velikovsky ging aber bereits Mitte des 20.Jh. von einem Universum aus, in dem elektrische Kräfte vorherrschend sind und darin wäre so etwas durchaus denkbar; doch der Gedanke eines elektromagnetischen Universums findet bis heute in der Astrophysik keine Akzeptanz. Entsprechend wurde und wird Velikovsky von vielen 'Fachleuten' als Außenseiter ignoriert oder verlacht, ungeachtet der Tatsache, dass sich seine astrophysikalischen Voraussagen großenteils bestätigt haben.
Bereits 1955 fand man die von ihm vorausgesagte Jupiter-Radiostrahlung und seit den 1960er Jahren lieferten die sowjetischen und amerikanischen Venussonden erste Daten von einer glühendheißen Venus mit einer dichten Atmosphäre aus Kohlenwasserstoffen. Die Wissenschaftler waren geschockt, denn eine solche Venus passte nicht - und passt bis heute nicht - ins astrophysikalische Weltbild. Deshalb erklärte 1974 der Astronom Carl Sagan die damals gemessene Venus-Temperatur von 500 Grad mit einem "Galopping Greenhouse Effect", der seitdem als "Treibhauseffekt" auch für irdische Phänomene herhalten muss. Die Treibhaus-These ist zwar umstritten, doch an Venus als 'Zwillingsplanet' der Erde wird festgehalten.
Unzweifelhaft gab es aber katastrophische Ereignisse im Planetensystem, die auf der Erde zu massiven ‚Fall out’ feuriger Kometenschweife und heftigen Naturkatastrophen führten. Velikovsky erkannte, dass Venus als einst feurig beschweifter herumirrender Himmelskörper daran wesentlich beteiligt war und zwar noch in jener historischen Zeit, die unsere Lehrbücher als 'Altertum' bezeichnen.
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2. Venus - Von der Göttin zum Symbol
Die Erfahrungen von Schrecken und Zerstörung durch Planetengötter verarbeiteten die Menschen in Kulten und Ritualen.
Diese veränderten sich, so erzählen die Mythen der Welt, als ein heroischer männlicher Gott (ein anderer Himmelskörper innerhalb des in Aufruhr geratenen Planetensystems - Velikovsky vermutete: Mars) die weibliche Gottheit besiegte, indem er ihren feurigen Drachen zerschlug. Übrig blieb der auf die Ekliptik gebannte, strahlend schöne Planet Venus auf seiner heutigen Umlaufbahn, welche als Pentagramm darstellbar ist.
Eine neue Himmelsordnung war entstanden, der neue Götterbilder folgten. Die einst gefürchtete, kriegerische, den Himmel beherrschende Venus wurde zur verehrten Allgöttin und Magna Mater als Matrix der Wandlung: Leben und Tod, Licht und Dunkel, Heil und Untergang, Segen und Schrecken, Krieg und Kulturblüte - alles kam aus ihrem Schoß.
Wo sich männliche Götter- und Erlöservorstellungen durchsetzten, blieb Venus als "Liebesgöttin", die Magna Mater als "Gottesgebärerin" erhalten.
Aus den Erfahrungen ging ein neues Welt- und Menschenbild und Symbolbildung hervor.
Die bestehende Symbolik transportiert jene gegensätzlichen Erregungen, die einst den Planetengottheiten, insbesondere der Venus, galten.
"Venus" wurde in allen Kulturen ein Symbol für das Spannungsfeld, in dem sich menschliches Bewusstsein bewegt.
Seitdem sorgt sich der Mensch um das Gedeihen der Kulturgüter und die Stabilität des Himmels. Während einst versucht wurde, die Himmels'götter' durch Opferrituale friedlich zu stimmen und durch magische Rituale in den Bann zu schlagen, wird nun die Berechenbarkeit des Himmels, seine Dauerhaftigkeit und Stabilität beschworen.
Wissenschafts- und Religions-Geschichte spiegeln den Konflikt des Menschen: einerseits seine Abhängigkeit von einer größeren Kraft oder Macht anzuerkennen, andererseits der Versuch, diese zu durchschauen, zu kontrollieren und ihr zu entkommen.
Zugleich zeigen sie das Bedürfnis des Menschen,
- sich unter einem neuen Himmel zu orientieren;
- sich sicher zu fühlen, in dem Bewusstsein, dass nichts sicher ist,
- und dies Wissen zu verdrängen - stets von der Angst getrieben, das Wichtigste im Leben zu verpassen.
als die einzigartige Chance und Herausforderung, Mensch-Sein im besten Sinne zu verwirklichen, indem wir uns die Konflikte bewusst machen, die Angst überwinden und dem schöpferischen Lebensprinzip dienen.
Eine heilvolle Zukunft wird es für die Religionen der Welt nur geben, wenn sie sich zurück besinnen auf ihre gemeinsamen Wurzeln und sämtliche Absolutheits- und Weltmachtansprüche so wie heilsgeschichtlichen Dogmen, ablegen.