Siemens-Ehrenhalle
Dabei handelt es sich um die Eingangshalle zum alten Siemens-Verwaltungsgebäude am Nonnendamm, die zwischen September 1910 und Ende 1913 errichtet wurde. Innen war sie ursprünglich nach dem Vorbild byzantinischer Kuppelkirchen gestaltet und mit einem farbigen Mosaikfußboden versehen, der nach Entwürfen des Hamburger Malers und Grafikers César Klein (1876-1954) angefertigt wurde. Sie diente dem Konzern als Empfangs- und Veranstaltungshalle für wichtige Anlässe, daher wird sie auch „Ehrenhalle“ genannt.
Das gesamte Gebäude wurde von 1943 bis 1945 schwer kriegsbeschädigt und die Ehrenhalle brannte aus. Es gibt nur wenige Fotos von der Halle in ihrem Vorkriegs-Zustand. Einige alte Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Siemensarchiv in München findet man in dem Buch „Die Siemensstadt“ von Wolfgang Schäche und Wolfgang Ribbe (Berlin 1985).
Leider ist der große Mosaikfußboden auf keinem der mir bekannten Fotos gut zu erkennen. Er soll den Brand weitgehend unbeschadet überstanden haben und heute mit jenem vor dem II. Weltkrieg identisch sein. Bei der Wiederherstellung der Ehrenhalle 1973-76 wurde das einstige Kuppelgewölbe abgerissen, doch der Mosaikfußboden in der alten Form restauriert.
Das Mosaik zeigt beim Betreten der Halle einen grafisch hervorgehobenen ‚Mittelgang’, an dessen Ein- und Ausgang sich jeweils ein in besonderer Weise gestaltetes Pentagramm befindet. In den Räumen rechts und links dieses Gangs entfalten sich florale Gebilde, in einem weiteren Umgang zeigt das Mosaik Erfindungen der Firma Siemens.
Da die Halle nicht öffentlich zugänglich ist, gibt es von dem Mosaik kaum Abbildungen. Das hier gezeigte Foto eines der beiden Pentagramme befindet sich im Privatbesitz der Autorin.

Von den Entwürfen, die Cesar Klein für das Mosaik machte, sind nur noch wenige im Nachlass erhalten. Zwei dieser Entwürfe sind abgebildet in einem Buch von Rudolf Pfefferkorn über Cesar Klein (Berlin 1962, S. 96 u. 97). Diese beiden Abbildungen entsprechen jedoch nicht dem heutigen Mosaik.
Dr. Matthias Esche vom Freundeskreis Cesar Klein teilte mir mit, dass sich vier kleine Vorentwürfe des Fussbodenmosaiks (3x Gouache auf Karton und 1x Bleistift und Kreide auf Pergament) in seinem Besitz befinden und ein Werkkarton in verkleinertem Maßstab von 125 x 125 im Nachlass der Familie Fey. Auf diesen Entwürfen zum Mosaik befindet sich ebenfalls kein Pentagramm.
Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass am Mosaik in den Jahren zwischen der Einweihung der Ehrenhalle 1913 und dem Beginn des II. Weltkrieges Veränderungen vorgenommen wurden. Deshalb muss angenommen werden, dass Kleins Entwürfe bereits vor oder während der Fertigstellung des Fußbodens, also spätestens im Laufe des Jahres 1913, nochmals abgeändert wurden. Warum dies geschah und wer den Auftrag dazu gab, ist bisher nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage an das Siemens-Archiv blieb unbeantwortet.